Mittelfränkische Meisterschaften - Herzogenaurach

Hitzeschlacht in der Sportstadt

Man könnte meinen, die Turnerschaft Herzogenaurach hat einen besonderen Draht nach oben. Denn bereits 2018 bei den „Mittelfränkischen“ waren die Temperaturen jenseits der 27 Grad angesiedelt – so auch 2019. Die 372 Sportler aus 34 Vereinen kämpften somit nicht nur gegeneinander, sondern mussten auch mit den heißen Temperaturen einhergehen. Die Bibertstädtler waren erneut mit einem großen Team angereist, 16 „Rote“ jeweils zur Hälfte an beiden Tagen wohnten der Veranstaltung bei.

Tag 1 der Veranstaltung geht standesgemäß an den Nachwuchs U14/U16. Johanna Westphal (W13) und Josina Haußmann (W14) konnten sich in 11,66 sec über die 60 m Hürden bzw. 15,03 sec über 80 m Hürden über neue Bestleistungen freuen. Eine weitere Sprintbestleistung holte sich Christoph Hanné (M12) in 11.06 sec ab.

Gut aufgelegt zeigten sich die Weitspringer, alle vier U14-Starter konnten mit Bestleistungen den Weitsprung verlassen. Christoph steigerte sich um fünf Zentimeter auf 3,95 m, Hanna Roth (4;15 m), Veit sowie Johanna sprangen allesamt über 4 m – für Johanna (4,10 m) und Veit Bestle (4,15 m) war es sogar der erste Sprung über diese Marke.

Bevor die Mixed-Staffeln das Highlight des Tages bildeten, mussten zuvor die beiden Stadionrunden absolviert werden. Aufgrund der Temperaturen absoluten Respekt vor allen Läuferinnen und Läufern! Dass der Titel in der U14 lediglich zwischen Amelie Brandl und Anni Knoblich (LAC Quelle Fürth) entschieden wird, ist denke ich jedem Kenner der Szene seit Jahren bekannt. Eine gut aufgelegte Knoblich kam erstmals unter 2:30 min ins Ziel – Brandl kam in dennoch guten 2:34,19 min als Vizemeisterin ins Ziel! Ebenfalls ein schnelles Rennen erwischte Christoph in der M12, welches er aber zu seinen Gunsten nutzen konnte. Während der Sieg an den Höchstadter Läufer Tim Freudenberger ging, konnte Christoph in absoluter Bestzeit von 2:39,82 min sich über Bronze freuen – lediglich eine Sekunde fehlten ihm am Ende zum Vizetitel! Kämpferisch zeigten sich Johanna, Antonia Müller und Isabella Scholten, das Trio kamen in 2:44,51 min, 2:51,76 min sowie 2:52,85 min ins Ziel.

Die Mixed-Staffel in der Besetzung Hanna – Amelie – Veit – Christoph wurde erstmals als Rahmenwettbewerb bei den Meisterschaften ausgetragen, folglich groß war dann auch die Vorfreude darauf. Besonders die verschiedenen Aufstellungsmöglichkeiten der Vereine brachten das Gewisse etwas, so haben sich die Felder aufgrund der unterschiedlichen Schnelligkeiten immer wieder verschoben und es blieb spannend bis zum Ende. Spannend bis zum Ende blieb es auch aus Zirndorfer Sicht. Als wir mit 15 Meter Vorsprung nach dem zweiten Wechsel auf die Zielgerade einbogen, glaubten schon alle an den Sieg. Doch Wechsel drei von Veit auf Christoph war alles andere ideal sodass wir ab Ende zwar den Sieg noch ins Ziel retten konnten, aber nur einige Hundertstel uns vom Vizetitel trennten.

Die Aktiven knüpften an Tag 1 an

Nach den Jugendlichen U14 und U16 am Samstag waren dann am Sonntag die Jugendlichen U18 und U20 sowie die Aktiven an der Reihe. Acht Athletinnen und Athleten vertraten hier die Zirndorfer Farben, weitere Teilnahmen wurden leider durch Krankheit und andere Wettkampftermine verhindert.

Bei der weiblichen Jugend U20 traten Zoé Brock (Kugel, Speer), Miriam Backer (100 m, 400 m, 4x100 m) und Selina Thiel (100 m Hürden, Hoch, 4x100 m) an, bei der weiblichen Jugend U18 ging Yara Prusko (800 m) an den Start und bei den Männern stellten sich Louis Merklein (100 m, 200 m, 4x100 m), Marcus Grun (100 m, 200 m, 4x100 m), Mustafa Acar (Dreisprung) und Johannes Heider (Hoch, Speer) der Konkurrenz.

Den Auftakt machte Zoé mit der Kugel. Nach einem Kurzurlaub kam sie erst unmittelbar vor Wettkampfbeginn auf den Sportplatz, so dass die sonst übliche Vorbereitung reduziert werden musste. Dennoch konnte sie ihre Routine im Wettkampf ausspielen und sich souverän mit der angesichts der zeitlichen Umstände sehr guten Weite von 11,85 m durchsetzen.

Zeitgleich fand der Hochsprung der Männer statt. Aufgrund der für ihn recht hohen Anfangshöhe von 1,65 m musste Johannes von Beginn an voll auf der Höhe sein, dank eines sehr ordentlichen Sprungs schaffte er dann auch noch die 1,70 m, eine Höhe die er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr in einem Wettkampf erreicht hatte und mit der er schließlich den dritten Platz belegte.

Nach den „gemütlichen“ technischen Disziplinen standen dann die schnellen Läufe auf dem Programm, über 100 Meter wurden die schnellsten Sprinterinnen und Sprinter ermittelt. Miriam belegte in einem knappen Rennen mit der guten Zeit von 12,67 s den zweiten Rang hinter Mara Barwitzki von der LG Eckental. Bei den Männern erreichte Louis mit 12,56 s den 18. Platz. Marcus war im letzten von vier Zeitläufen am Start, leider war sein Lauf mangels Stellplatzkarten nur mit drei Läufern besetzt, so dass keine optimalen Bedingungen für schnelle Zeiten vorlagen. Dennoch zeigte seine Zeit von 11,18 s schon an, dass er an diesem Tag gut in Form war, er wurde damit hinter Jonas Hügen vom TSV Hemhofen Zweiter.

Im Speerwurf kam Zoé dann leider nicht so gut in den Wettbewerb. Für diese äußerst anspruchsvolle Disziplin müssen sämtliche technischen Aspekte ideal zusammenwirken, dies klappte an diesem Tag nicht so, wie sich Zoé dies erwünscht hatte. Mit der Weite von 30,65 m war sie dann auch nicht sehr zufrieden, dennoch konnte sie sich damit durchsetzen und den Wettkampf gewinnen, ihr zweiter Titel in knapp einer Stunde.

Nach ihrem recht vorsichtigen Saisonstart über 400 Meter in Veitsbronn und dem fulminanten Lauf über die 400 Meter Hürden am Wochenende zuvor wollte Miriam nun ihre Form über die Stadionrunde unter Beweis stellen. In einem tollen und mutigen Lauf konnte sie sich überlegen durchsetzen, bei 56,62 s blieb die Zeit stehen, womit sie eine fantastische neue Bestzeit erreichte. Hiermit konnte sie sich (nach 100 Meter Hürden und 400 Meter Hürden) auch über die 400 Meter deutlich für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifizieren, die Ende Juli in Ulm stattfinden werden, herzlichen Glückwunsch zu dieser eindrucksvollen Leistung!

Auf die ganze Stadionrunde folgte die halbe, über 200 Meter gingen Marcus und Louis an den Start. Beide erwischten jeweils einen richtig schnellen Lauf und konnte ihre jeweiligen Bestzeiten deutlich steigern. Louis kratzte mit 25,04 s an der 25-s-Marke und belegte Platz 12, während Marcus mit einer neuen Bestleistung von 22,19 s den dritten Rang erreichte. Nach seinem Zieleinlauf sorgte er noch für eine Schrecksekunde, nach einer kleinen Verschränkung der Arme mit seinem Nebenmann Thomas Knauer der LG Erlangen im Auslauf stolperte er und verschwand kurzzeitig in einem Gebüsch, außer einiger kleiner Kratzer passierte ihm aber zum Glück nichts. Auch ihm herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Leistung!

Über 100 Meter Hürden war dann Selina an der Reihe. Nach einem sehr couragierten und sauberen Lauf bis zur siebten Hürde verlor sie dann leider den Rhythmus und musste diesen neu aufbauen. Daher war sie mit dem erreichten dritten Rang wesentlich zufriedener als mit der erzielten Zeit von 19,08 s. Dennoch fehlte hier nicht viel, um einen richtig guten Hürdenlauf ins Ziel zu bringen.

Ihr Saisondebüt über 800 Meter gab dann Yara. Bei inzwischen sehr hohen Temperaturen musste sie dem hohen Anfangstempo der ersten Runde Tribut zollen und konnte den Lauf nicht ihren Ansprüchen entsprechend zu Ende führen. Dennoch gab sie nicht auf, sondern kämpfte sich mit letzter Kraft in 2:52,52 min als Sechste ins Ziel, eine bewundernswerte kämpferische Leistung.

Der Reiz der gemischten Staffel über 4x100 Meter, besetzt mit jeweils zwei Frauen und zwei Männern, liegt neben dem Auftritt als Team an der sehr interessanten Gestaltung der Wechsel zwischen Läuferinnen und Läufer sehr unterschiedlicher Grundschnelligkeit, ein Aspekt der auch das Training für diese besondere Staffel zu einer witzigen Abwechslung für alle Beteiligten machte. Nach dem Start übergab Louis auf Marcus, dieser auf Miriam und diese auf Selina. Drei sichere Wechsel später belegte unser schnelles Quartett dann den 2. Platz.

Der gemischte Wettbewerb ist auf jeden Fall ein sehr schönes Highlight dieser Veranstaltung und hat allen Teilnehmern großen Spaß gemacht. Bedauerlicherweise hatte sich der Start der Staffel wegen Umbauten an den Startlisten deutlich nach hinten verzögert, so dass Selina nach Überqueren der Ziellinie direkt zum Hochsprung weiterlaufen musste. Ein optimaler Wettkampf war für sie daher leider nicht möglich, so dass sie sich mit 1,45 m und dem zweiten Rang begnügen musste. Angesichts der Tatsache, dass sie aufgrund eines krankheitsbedingten Ausfalls erst kurzfristig und ohne zu zögern den Staffelplatz übernommen hatte gebührt ihr an dieser Stelle besonderer Dank. Parallel zur Staffel und zum Hochsprung war Johannes auch mit dem Speer an der Reihe. Trotz eines etwas müden Armzugs kam er auf sehr erfreuliche 42,25 m und belegte damit den fünften Rang.

Im technisch komplizierten Dreisprung ging dann auch noch Mustafa an den Start. Nachdem er im Jahr zuvor nur drei gültige Versuche erreicht hatte waren diesmal alle sechs Sprünge sowohl gültig als auch jeweils weiter als sein bester Sprung im letzten Jahr. Mit 11,12 m erreichte er den vierten Rang und blieb nur knapp unter seiner eigenen Bestmarke.

Drei Titel, zahlreiche Plätze auf dem Podest und darüber hinaus etliche sehr erfreuliche Leistungen bei sehr heißen Bedingungen – auch in diesem Jahr waren die Mittelfränkischen Meisterschaften in Herzogenaurach wieder ein sehr gutes Pflaster für die Zirndorfer Athletinnen und Athleten.

 

Es fehlen Yara Prusko und Zoé Brock